Vokalmusik

SAG — DAS GLEICHE IST’S (2018/23)

TEXT Bernd Marcel Gonner

für Chor (SATB) und Streichquartett

30 Minuten

Entstanden: 2018

bis 2023

Veröffentlichung: 2. April 2023

SAG – DAS GLEICHE IST’S FISCHE FANGEN MIT DER HOHLEN HAND
ODER EINEN STEIN BEWEGEN?

Man könnte das der Vertonung zugrunde liegende Gedicht »Sag, das Gleiche ist’s« als eine gegen den Strich gebürstete Neufassung von Schillers »An die Freude« bezeichnen. Man könnte. Man könnte mehr: Ein Text, der sich radikal, von der Wurzel her, als Quertext durch die »Allgemeine Erklärung der Menschenrechte« legt und liest. Der Mensch, der seine Sache: die Sache des Humanen – als in jeder Hinsicht bedürftiger Mensch unter bedürftigen Menschen – selbst in die Hand nimmt, steht im Zentrum. Die Beistandsuche bei Göttern, sei es bei solchen im Himmel, sei es bei falschen auf Erden, hat ausgedient. Es geht um Tugenden, Übungswege, die nötig sind, um das Humane zu erreichen: Sanftmut und Friedfertigkeit als grundsätzliche Tugend, doch unter Einsatz des Lebens und gegen die Trägheit der Herzen, Anstiften und Anstecken statt bequemem Eigenleben, Miteinander in Freiheit statt Herrschaft über andere. Luft nach oben ist genug.

Das Gedicht will für möglichst viele zugänglich sein, arbeitet deshalb mit einfachen Bildern, die sich zugleich in immer neuen Verschleifungen, Beleuchtungen wie Schattierungen zeigen, sodass eine simple propagandistische Vereinnahmung ausgeschlossen ist. Es regt zum selber Denken an in dem Sinn, dass das Selbermachen dann die nächstliegende Sache ist. Die Sinne von Kopf, Herz, Mund und Hand werden gleichermaßen angesprochen, weil das wirkliche, aufrichtige und aufrechte Leben nur im Gesamt davon bestehen (im doppelten Wortsinn) kann. Appell also und emotionale Ansprache in einem: Wer will nicht mitgerissen werden? Doch dass wir selbst es sind, die den Wind (wie die Rose) machen, steht in diesem Text auf demselben Blatt bzw. Boden. Kein fauler Zauber also/mithin, von dem es in der Geschichte so vielen gab und gibt.

Bernd Marcel Gonner, Mai 2019

Anmerkungen zur Musik

Als ich Bernds Text das erste Mal las, war innerhalb von Sekundenbruchteilen klar: Dieses Gedicht möchte ich unbedingt vertonen. Eine Chorpartie war dann auch sehr schnell fertig. Ebenso eine erste Orchesterversion. Dann bekam ich den Auftrag von Alexander Seidl ein Stück für seinen Chor in St. Gallen, dem Zwölf-Apostel-Chor Berlin und ihm als Sänger (Altus) zu schreiben. Das Stück zwei-chörig zu sehen und zu hören fand ich sofort reizvoll. Die Uraufführung sollte im Zuge einer Chorreise des Zwölf-Apostel-Chores nach St. Gallen 2022 stattfinden.

Dann kam die Pandemie.

Alles — insbesondere Chorwerke, Chorkonzerte, selbst die Proben, wurde abgesagt. Ich habe die Arbeit an dem Werk dann zunächst ruhen lassen. Im Februar 22 begann ich erneut, mich mit dem Text und der Musik zu beschäftigen. Ich habe vieles verworfen und alles von Grunde auf in eine neue Notensatzsoftware eingegeben. Auch die Besetzung habe ich auch neu gedacht. Aufgrund der Erfahrungen mit der Pandemie wurde diese verkleinert. Bernd sagt, das Gedicht ist leicht zugänglich. Meine Intention ist, dass es auch von Semi-Profis und sehr engagierten Laien (mit Ausnahme der Orgel) musiziert werden kann. So kam der Posaunenchor hinzu und die gesamte Komposition hält sich eher einfach, ohne dabei jedoch ins Simple abzugleiten.

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