Multimedia-Performance

TAUMEL DER TRENNUNG (2022)

TEXT Ulrike Draesner

für Stimme, Computer, Video, Bluetooth-Wearables und elektrischen Alltagsgegenständen

20 Minuten

Entstanden: 2022

Veröffentlichung: 20. April 2022

morgens vor dem spiegel ich träumend denk und dreh

Ulrike Draesners Gedicht »Taumel der Trennung« hat 21 Zeilen, wobei in 20 Zeilen jeweils ein Wort fett gedruckt ist. Die so hervorgehobenen Worte ergeben eine Botschaft: »Ich dreh da noch durch« sowie ein paar Ableitungen davon. Das Gedicht ist wie eine Art Zwiegespräch zweier Menschen vor dem morgendlichen Badezimmerspiegel und schließt einfach nur mit der Zeile: »vorbei«.

Das Gedicht hat mich sofort inspiriert. Es ist rasant und unglaublich witzig. Kann NEUE MUSIK witzig sein? Ganz eindeutig JA, auf jeden Fall. Aus der ersten Annäherung an den Text entstand zunächst eine Version für Tenor und Klavier.  Dann habe ich mit einer Version für Mezzosopran und Streichquartett begonnen, aber an einem bestimmten Punkt festgestellt, dass ich eigentlich etwas ganz anderes machen möchte. Ich habe dann alle bisherigen Arbeiten zurückgezogen, auch weil ich gemerkt habe, dass mich das Gedicht so stark »triggert«. 

Für »Taumel der Trennung« kreiere ich eine Performance, in der ich selbst bzw. der Performende zwei Liebende vor dem Badezimmerspiegel in einer morgendlichen Bad-Routine spiele. Ich spreche, singe und interagiere mit meiner Installation aus Alltagsobjekten wie Föhn, Zahnbürsten, Vibratoren, Nasenhaartrimmern, einem Duschradio und vielem mehr. Im ersten Schritt habe ich die Klänge dieser Gegenstände aufgenommen, um daraus eigenständige Instrumente zu programmieren. Ein abstraktes Video, welches zur Komposition dazugehört und quasi eine eigene Zeitlinie bildet, kommt als zweite Schicht hinzu. Dort zeigt sich das Gedicht als animierte Typografie, verwoben mit Fotos und Sequenzen der Performance.

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