FASSUNGEN:

  • • Sopran, Countertenor, Chor und Orgel,
    UA 2020 St. Gallen

  • • Solisten (SATB), Blasinstrumente und Chor

  • • Chor a capella (SATB)

    Ausschnitt Demo


  • • Chor (SATB) und Orchester

    Ausschnitt Demo


  • Sag –
    das Gleiche ist’s
    Fische fangen mit der hohlen Hand
    oder einen Stein bewegen?
    Sag –
    das Gleiche ist’s
    Hand an anderes zu legen
    oder seine Haut
    ins Spiel zu geben,
    – solches,
    dem das Weiche lästig,
    dem das Maul gefräßig,
    dem das Herz zu laut ist?

Sag, das Gleiche ist's

Man könnte das der Vertonung zugrunde liegende Gedicht »Sag, das Gleiche ist's« als eine gegen den Strich gebürstete Neufassung von Schillers »An die Freude« bezeichnen. Man könnte. Man könnte mehr: Ein Text, der sich radikal, von der Wurzel her, als Quertext durch die »Allgemeine Erklärung der Menschenrechte« legt und liest. Der Mensch, der seine Sache: die Sache des Humanen – als in jeder Hinsicht bedürftiger Mensch unter bedürftigen Menschen – selbst in die Hand nimmt, steht im Zentrum. Die Beistandsuche bei Göttern, sei es bei solchen im Himmel, sei es bei falschen auf Erden, hat ausgedient. Es geht um Tugenden, Übungswege, die nötig sind, um das Humane zu erreichen: Sanftmut und Friedfertigkeit als grundsätzliche Tugend, doch unter Einsatz des Lebens und gegen die Trägheit der Herzen, Anstiften und Anstecken statt bequemem Eigenleben, Miteinander in Freiheit statt Herrschaft über andere. Luft nach oben ist genug.

Das Gedicht will für möglichst viele zugänglich sein, arbeitet deshalb mit einfachen Bildern, die sich zugleich in immer neuen Verschleifungen, Beleuchtungen wie Schattierungen zeigen, so dass eine simple propagandistische Vereinnahmung ausgeschlossen ist. Es regt zum Selberdenken an in dem Sinn, dass das Selbermachen dann die nächstliegende Sache ist. Die Sinne von Kopf, Herz, Mund und Hand werden gleichermaßen angesprochen, weil das wirkliche, aufrichtige und aufrechte Leben nur im Gesamt davon bestehen (im doppelten Wortsinn) kann. Appell also und emotionale Ansprache in einem: Wer will nicht mitgerissen werden? Doch dass wir selbst es sind, die den Wind (wie die Rose) machen, steht in diesem Text auf demselben Blatt bzw. Boden. Kein fauler Zauber also/mithin, von dem es in der Geschichte so vielen gab und gibt.

Bernd Marcel Gonner, Mai 2019