FESTIVAL

29. – 31. August 2000

30. August - 02.September 2001

Ort: Ballhaus Naunynstraße, Berlin

nachHALL

Echo · Ballhaus Naunynstraße 2000

Wie der Name des Festivals besagt, ist das Konzept die Auseinandersetzung mit der Idee des Halles, des Echos, der auditiven wie der visuellen Reverberationen im Raum und in der Zeit. Uns geht es in diesem Festival um eine Erweiterung der Seh,- und Hörgewohnheiten, um eine Aufbrechung traditioneller Konzertstrukturen, um eine den Zuschauer zum Vergleichen animierende Folge von Darstellungen und Interpretationen, letztendlich also um die Schaffung eines Simultan-konzertes ganz im Sinne des amerikanischen Künstlers John Cage. Dieses Jahr thematisieren wir eine Stelle aus den Metamorphosen von Ovid. Es handelt sich um die sinnbildliche Entstehung eines akkustischen Phänomens, des Echos. Die Geschichte der schwatzhaften, täuschenden Nymphe Echo und ihres tragischen Loses scheint uns ein angemessener Anfang zu sein, uns diesem Phänomen von der erzählerischen, mythologisierenden Seite her zu nähern. Physikalische Eigentümlichkeiten, denen der Mensch anfangs fassungslos gegenüber stand und die ihn noch immer beeindrucken (wem hat, beispielsweise, ein schönes Echo noch nicht sowohl Spass bereitet als auch einen Moment der Verwirrung gegeben? durch die Geschichte der Nymphe Echo gewinnt dieses Momentum an Tiefsinnigem, Verzauberndem), sie werden auch in den nächsten Festivals dem Publikum eine neue Art und Weise des Sehens und des Hörens nahe bringen. Der Aufbau und die Abfolge dieser verschiedenen Vorstellungen ist geplant als eine gegenseitig Bereicherung, Befruchtung der teilnehmen- den Künstler. Das bedeutet, dass es ohne weiteres möglich ist, Werke zu verändern, Teile hinzuzufügen, Stücke wegzulassen. Das auf drei Tage angelegte Festival sieht sich also als »work in progress« im wahrsten Sinne des Wortes. Das jeweilige Thema wird von allen Teilnehmern verfolgt, die durch diese Stringenz provozierte Konzentration verleiht der Veranstaltung ihre Energie. Wir haben ein Ensemble von Künstlern versammelt, das dieses Thema auf medien-übergreifende Art und Weise behandelt. Sie alle sind sich bewusst, dass »nachHALL« sowohl Möglichkeit ihrer individuellen Ausdrucksweise als auch workshop ist. Unser Ansinnen ist es, eine lebendige, spannende und für alle Beteiligten ausserordentlich inspirierende Veranstaltung zu kreeiren.


@synchron · Ballhaus Naunynstraße 2001

Wie die Schatten auf der Wand in Platons Höhlengleichnis sind die Aufführungen des zweiten @synchron — nachHALL 2001 Musikfestivals in Berlin Echo einer Welt, die scheinbar immer weiter auseinander driftet und in der trotzdem alle Strömungen zunehmend einander immer beeinflussen. Musiker und Performer aus Deutschland, USA und Australien werden im ballHAUS Naunystrasse vom 30. August bis zum 2. September Arbeiten präsentieren, die ein Widerhall einer Zeit sind, in der alle Maßstäbe und Klassifizierungen am Verschwinden sind und die Dinge im Moment, wie ein Mystiker des Mittelalters es ersehnt hatte, noch »nackt« sind. Was denn wahrhaft innovative Musik sei, dieses Postulat vergangener Jahrzehnte kann man kaum im Munde führen, Ethno, Popmusik in größter Vielfalt, Techno, Trance, Hip-Hop, Rap, Schlager, Country, Rock&Roll, Musical, alte Musik, Klassik, und regionale Überlieferungen stehen nebeneinander und erscheinen als Sample immer wieder in neuen Variationen. Gleichzeitig werden die künstlerischen Produktionsprozesse immer stärker von digitalen Verarbeitungswegen geprägt, die das umsetzen, was Avantgarde Jahrzehnte zuvor realisiert hatte: interactive music, multi media, video, live electronic u.a. Wie Komponisten aus so unterschiedlichen Kulturkreisen wie Deutschland, USA und Australien auf gesellschaftliche Situationen und Wandel reagieren und ihre Sprache stilistisch ausformen ist die künstlerische Fragestellung des @synchron — nachHALL 2001 Musikfestivals in Berlin.


interupted DEVICE · Ballhaus Naunynstraße 2002

interupted DEVICE ist das Thema des NachHALL 2002 Musikfestivals, das Künstler aus dem Bereich Musik, Multimedia und Fine Arts umfaßt. NachHALL ist der Name der Gruppe, die seit drei Jahren im Rahmen von Festivals zusammen auftritt. Die Idee von interupted DEVICE ist aus der Reaktion auf das zunehmende Maß an visueller und akustischer Überreizung entstanden, die aus der schein- baren Vielfalt künstlerischer Positionen und dem Überangebot an ästhetischen und akustischen Interfaces einer Mediengesellschaft erwächst. Die Allgegenwart von Design, Geräuschkulisse und künstlerischen Positionen simuliert ein funktionierendes Betriebssystem, das längst nicht mehr gegeben ist. Kunst ist jene Programmober äche, die den Systemzerfall verdeckt.

Die Reaktion darauf ist, gleichsam unter der Fassade des Normalen eine Zäsur in der Wahrnehmung zu erzwingen. Sei es, dass die Repetition bekannter Musik in einer Collage destruktive Mecha- nismen offenbart, dass noise music Verlärmung als Anlass zu stärkerer Verlärmung nimmt oder dass Stille Irritationen inmitten eines als gegeben hingnommenen interfaces erzeugt. Die Vorgänge werden scheinbar normal ablaufen, aber es doch nicht mehr sein, die Ober äche ist vertraut, die Menues vorhanden, aber nicht so, wie erwartet. NachHALL 2002 dauert vier Tage. Die entstandenen Werke werden sich gegenüberstehen und trotzdem eine gemeinschaftliche Arbeit sein.

Götz Müller-Zimmermann