ELECTRIC TANGO
Tango de Berlin

Klassische und neu geschriebene Tangos in elektrisierenden Arrangements

electric tango ist Tangomusik:
geschrieben von klassischen Tangokomponisten und Caspar René Hirschfeld
electric tango ist elektronische Musik:
arrangiert und bearbeitet von Michael Maria Ziffels
electric tango ist Musik zum Hören:
elektrisierend und sinnlich.
electric tango ist Musik zum Tanzen:
Tango oder free style.

Die große Renaissance,

die der Tango Argentino seit einiger Zeit vor allem in den Großstädten der westlichen Welt erlebt, und die Tatsache, dass die Begeisterung für den Tango noch immer ständig wächst, ist – betrachtet man Geschichte und Charakter dieses Tanzes – nicht wirklich verwunderlich.

Entstanden in einer Zeit, in der europäische Einwanderer in Mengen nach Argentinien strömten, ist der Tango ArgentinovonBeginnanweitmehralsnur eine Verschmelzung verschiedener Tänze aus verschiedenen Teilen der Welt (Milonga aus Uruguay/Argentinien, Tango andaluz aus Andalusien und Habanera aus Cuba/ Chile). Er ist auch und gerade Ausdruck einer vibrierenden, polykulturellen Gesellschaft mit all ihren Reibungen, Sehnsüchten und Chancen. Seit seiner Entstehungszeit mag sich vieles verändert haben, dennoch ist das soziale Lebensgefühl in den »melting pots« der heutigen Großstädte westlicher Prägung nicht so verschieden von der Situation in Buenos Aires zu Ende des 19. Jahrhunderts, wie man vielleicht glaubt: zu wenig Arbeit, boomende Kriminalität, unverbindliche körperliche Begegnungen statt sozialer Bindungen, emotionale Orientierungslosigkeit, ein Gefühl von Heimatlosigkeit und Suche, dazu sowohl kulturelle Annäherungen als auch Missverständnisse zwischen enttäuschten Einwanderern und besorgten Einheimischen sowie Zukunftsunsicherheit. Und mitten in alledem, jenseits aller Schranken, immer zwischen Liebe, Begehren und Sehnsucht: der Wunsch nach Begegnung, der Wunsch nach Fröhlichkeit, nach gelebter Körperlichkeit, nach Tanz und Musik.

All dies spiegelt sich unter anderen Vorzeichen ebenso in der heutigen Techno-Tanzszene, nur mit dem Unterschied, dass es hier elektronische Klänge sind, zu denen getanzt wird, und dass es keinen »Paartanz« im traditionellen Sinne gibt. Doch die eruptive Sinnlichkeit, die Lust an Körper und Bewegung und am erotischen Spiel – der Tango Argentino wird nicht umsonst oft als »vertikaler Ausdruck eines horizontalen Verlangens« bezeichnet – dies ist eine große Gemeinsamkeit.

Auch der Tango ist tatsächlich weniger die Folge bestimmter Tanzschritte oder die Summe musikalischer Stilmerkmale. Er ist ein ständiger Balanceakt zwischen Melancholie und Lebensfreude, Erotik und Sexualität, Hingabe und Aufbegehren, Sehnsucht und Resignation, Hoffnung und Erinnerung – dabei sind die Grenzen oft nicht mehr zu fassen.

Dieses Spannungsfeld ist es, was den Tango Argentino in den vergangenen ca. 150 Jahren bei aller Unterschiedlichkeit der stilistischen Entwicklungen sein unverwechselbares Gesicht wahren ließ.

Techno wiederum ist weit mehr als ausgelassenes Tanzen zu lauter und schneller elektronischer Musik. Es ist Ausdruck eines Lebensgefühls inzwischen mehrerer Generationen in einer vibrierenden Gesellschaft, in der der Einzelne, ähnlich wie zur Entstehungszeit des Tango Argentino, getrieben ist von der Sehnsucht nach Freiheit einerseits und Gemeinschaft andererseits, nach Sinnlichkeit und Freude, nach unmittelbarem körperlichem Ausdruck seiner eigenen Persönlichkeit.

Als ein Tanz, der weit mehr Raum für Improvisation bietet als herkömmliche Standard- oder Lateintänze, war der Tango Argentino seit jeher offen genug, neue musikalische Richtungen aufzunehmen, ohne dabei seinen unverwechselbaren Charakter zu verlieren. So nden sich bereits im Tango Nuevo Elemente der klassischen Musik und des Jazz, der Popmusik und der Neuen Musik, im Finnischen Tango wiederum Ein üsse deutscher Marschmusik und nordischer Volksmelodik. Nachdem der Tango zu Beginn traditionell von Flöte, Gitarre, Bandoneon und Bass musiziert wurde, kamen später das Klavier und die Violine dazu, und inzwischen gibt es Tango-Ensembles, denen selbst eine Tuba angehört, und ganze Sinfonieorchester, die Tango spielen. Was liegt da näher, als den Tango mit einem musikalischen Medium zu verbinden, das heute sowohl in der ernsten als auch in der unterhaltenden Musik für innovative Klanglichkeit steht: der elektronischen Klangerzeugung.

René Caspar Hirschfeld