WERK

Uraufführung: 1986

Ort: Orgelsaal, Folkwanghochschule Essen

DAS ERFOLGREICHE BESTREBEN, PERFEKT ZU SEIN

für Orgel mit mechanischer Traktur, Registranten und Becken 2014

Michael Maria Ziffels »Das erfolgreiche Bestreben, perfekt zu sein«, ist nicht arrogant gemeint, sondern als Beschreibung eines Phänomens: für mich ist Perfektion eine nicht menschliche Eigenschaft. Perfektion gibt es, seit es Maschinen gibt. Perfektion ist eine positive Sache, solange Menschen sie nicht zu einem ihrer Ideale machen. Denn Perfektion ist immer geordnet und kontinuierlich. Sie hat etwas totes an sich, da sie zu keiner Modulation oder Differenzierung fähig ist. Ich meine, Menschen dürfen sich nicht an dem Wesen der Maschinen orientieren. Der Mensch ist fehlerhaft und auch chaotisch. Das gehört zu seinem Wesen — da er lebendig ist. Der Mensch braucht deshalb Perfektion!

Die Orgel ist für mich eine Maschine.




Das gesamte Stück dauert 693 Zeiteinheiten. Ihre Maße sind: ¼ = 60 / = 120 / = 180 / = 240 / = 300. Es beginnt mit ¼ = 60. Die Zeiteinheiten werden zu 3 Gruppenklammern zusammengefasst:

  • 11 (M1) |•••••••••••|•••••••••••| ...
  • 09 (M2) |•••••••••|•••••••••|•••••••••| ...
  • 07 (P1) |•••••••|•••••••|•••••••| ...

Der Beginn der verschiedenen Zeiteinheiten wird jeweils durch einen Beckenschlag markiert. Dadurch entsteht Diskontinuität. Die Tonbeziehungen resultieren aus Schnittmengenverwandtschaften. Solange das der Fall ist, ist das Stück in der diskontinuierlichen Phase. Diese Phase wird brutal verlassen, und es folgt Phase 2, welche aus Gruppen besteht. Auch die Becken treten nun ab und an aus Ihrem Prinzip heraus und kommentieren. Die Vielfalt der Farben, Dynamiken, Dauern, Tonhöhen im ersten Teil werden mit Beginn des 2. Teils diskontinuierlich und im 3. Teil kontinuierlich reduziert. Am Ende bleibt nur ein Ton leise und ohne auffällige Klangfarbe und Registerlage 33 = 27 Sekunden als Rest. »Drei«, die Zahl der Vollkommenheit, mit sich selber potenziert, kann dann nur perfekt sein.
Essen, 1986

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