Auf diesem Bild sehen sie nicht ein neues Tanztheater-Stück einer Avantgarde Choreografin, sondern Teile des Zwölf-Apostel-Chores beim Einsingen. Vor dem Lockdown habe ich auf Social Media oft meinen Hashtag #singenheilt verwendet. Im Lockdown kamen dann Berichte auf, dass Chorsingen wegen der Aerosole im besonderen Maße das Infektionsgeschehen steigern und es erste Todesfälle in Chören gegeben hat. Wie entsetzlich. Es wurde also gar nicht mehr gesungen. Ist ja auch verständlich: Ein Gemeindechor besteht heute überall aus überwiegend Frauen mittleren Alters mit der Tendenz zum hochbetagten. Ergo: Hochrisikogruppen. Da die Vereinzelung auch ein Risiko für Schäden an Leib wie Seele beträgt, kam nur so langsam an die Oberfläche. Nun können wir uns alle froh schätzen, dass wir ein so fantastisches Gesundheitssystem haben und es brillante Köpfe gibt, die ein Vakzin in aberwitziger Geschwindigkeit (gefühlte Ewigkeiten) marktreif haben werden lassen. Seit 2006 singe ich im Zwölf-Apostel-Chor unter der Leitung von Christoph Hagemann mit wachsender Begeisterung. Von Jahr zu Jahr wurden die Herausforderungen größer, was nicht jedem Singenden gefiel. Mir schon. Die Zusammenarbeit mit Orchestern, Solisten und weiteren Chören finde ich herausfordernd und spannend. Ohne diese Spannung kann man ja auch gleich im Bett liegen bleiben.

Zurück zum Thema: Obwohl alle mittlerweile geimpft sind, hat die Kirche Angst ihre Gemeinde-Mitglieder und Gäste in der Kirche singen zu lassen. Christoph hat sich sehr angestrengt eine Lösung zu finden (Es wird das Requiem von Verdi geprobt für 2022). Diese Lösung ist ein Parkhaus in Steglitz an der Autobahn. Es ist wohl nicht nötig zu erwähnen unter welchen Umständen diese »Proben« stattfinden. Die Krönung war ja noch gewesen das wir als Penner beschimpft worden sind. Schließlich müssen andere ja „Arbeiten“ und dabei Lärm machen, dass wir zur Freude singen ist für andere Menschen wohl zu viel. Das fällt mir immer mehr auf: Der Lärm der Massen wird hingenommen. Da kann ich ja nichts tun. Die Einzelnen, seien es die chillenden jungen Menschen auf der Berliner Admiralsbrücke, werden mithilfe der Polizei vertrieben. Hauptsache der Verkehr fließt und somit die Steuereinnahmen aus Mineralöl und so weiter.

#singenheilt

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